1. Allgemeines (von ca.1654 bis 1863)

Bevor 1863 das Schulhaus in Sültingen gebaut war, wurde der Unterricht jährlich wechselnd in einer Stube der Bauern von Trauen, Kreutzen und Sültingen abgehalten. Ab 1862 kamen auch die Kinder aus Dethlingen hinzu, die bis dahin mit Kohlenbissen einen eigenen Schulverband bildeten. Die Schulen, die in den Außendörfern in der Zeit zwischen 1654 und 1688 entstanden sein dürften, wurden im Durchschnitt von ca. 20 Kindern besucht.

Die Bezahlung der Lehrer war schlecht. Sie hatten wohl "Reihetisch", das heißt, sie wohnten und aßen abwechselnd bei den Bauern des Ortes der den Schulraum stellte, bekamen aber nur wenige Taler Bargeld jährlich, so dass sie Knechtsarbeit verrichten bzw. ein Handwerk ausüben mussten. Dagegen hatte es der Schulmeister aus Munster bedeutend besser, da ihm als Küster von der Kirche Nebeneinnahmen zustanden, darunter der Zins für die in seinem Hause aufgestellte Kirchenwaage, der einzigen im gesamten Kirchspiel.

Aber zurück zu den Außendörfern:
Es versteht sich von selbst, dass die Bauern, die verpflichtet waren sowohl den Schulraum als auch den Wohnraum für den Lehrer zu stellen, nicht gerade ihre besten Stuben zur Verfügung stellten. Häufig ist zu lesen, dass die Größe der Schulräume nicht ausreichte, diese sich schlecht lüften bzw. beheizen ließen und die Lichtverhältnisse (zu kleine Fenster) mehr als unzureichend waren. Auch ließ die Qualität der Schulmeister oft zu wünschen übrig.
In "Visitationsberichten" des zuständigen Superintendenten aus den Jahren 1669 bis 1688 wird Klage darüber geführt, dass in den Schulen der Außenbezirke die Schulmeister ihrer Aufgabe nicht immer gewachsen waren. Dort heißt es u.a.: "dass einer nicht lesen, ein anderer kein Wort schreiben, viel weniger einen deutschen Psalm singen könne". 1734 wird festgehalten, dass ein Lehrer aus Alvern "hölzerne Löffel schneidet und Imker ist, weshalb er im Sommer nur bis Ostern Schule halten kann, da er mit den Immen fort muß". "... auch Lehrer Brammer zu Trauen kann keine Sommerschule halten, da er mit den Bienen abwesend ist". In einem Bericht aus dem Jahre 1856 heißt es: "Nur im Wintersemester wird hier Schulunterricht ertheilt, im Sommer gar nicht. Gebildete Lehrer scheuen sich vor diesen Stellen, weil sie ein halbes Jahr brotlos sind".
 
2. Die Schule in Sültingen (von 1863 bis 1925)

Zum Bau des Schulhauses 1863 in Sültingen haben wahrscheinlich die vielen Unannehmlichkeiten, Wechsel des Schullokals, Umquartierung der Lehrer und die zum Teil katastrophalen Schulwege der Kinder geführt. Eine große Begeisterung für die neue Schule in Sültingen hat es jedoch nie gegeben.

schule_sueltingenSültinger Schule erbaut Anno 1863
Die Chronisten über die Sültinger Schule:
"Das Schulhaus liegt dem Hofe Sültingen sehr nahe. Es ist einfach gebaut. Zur Verunzierung desselben tragen nicht wenig die an das Haus angrenzenden Nebengebäude bei, welche sehr baufällig sind".
"Das Schulhaus, zu dem auch eine Wohnung gehört, hat eine Länge von 17 und eine Breite von 7 Metern. Das kleine Schulzimmer liegt im südöstlichen Teile desselben. Es hat eine Länge von 4,6, eine Breite von 4,3 und eine Höhe von 3,3 Metern. Es gewährt daher den nur normalen Raum für 30 Schulkinder".
"Das Schulzimmer hat zur Genüge Licht, jedoch sind die am Fenster sitzenden Kinder beim starken Froste nachteiliger Kälte ausgesetzt, namentlich, wenn der starke Ostwind beim Schneegestöber raset. Dann dringt der feine Schnee durch die unscheinbaren Ritzen der Fenster und es wird dann so kalt im Zimmer, dass die Betreibung des Unterrichts fast zur Unmöglichkeit wird, denn der kleine Ofen vermag dem Zimmer nicht hinreichende Wärme zuzuführen. Das sind unheimliche Stunden für den Lehrer und die Schüler".
"In den Regenzeiten sind die Schulwege und die Umgebung des Schulhauses sehr schlüpfrig, worin im wesentlichen der Grund zu diesem Übelstande liegt".
"Manchmal ist der Spielplatz nach starken Regentagen ganz mit Wasser bedeckt, so dass die Kinder beim Spielen häufig nasse Füße erhalten und sich leicht Husten und Erkältungen einstellten".
 
Hugo Engel, Lehrer von 1919 bis 1925 über die Schulwege:
"Es setzt starkes Schneegestöber ein. Die Wege sind so hoch verschneit, dass nur 4 Kinder erschienen sind".
"Das Schneeunwetter wird nicht minder. Das folgende Tauwetter führt der Gemeinde wieder deutlich vor Augen, wie unhaltbar die Sültinger Schulverhältnisse sind".
"Die Heide ist so tief verschneit, wie es in meiner Erinnerung nichts Ähnliches gibt. Wir erkennen keinen Weg mehr. Nur hier und dort die Birke, eine bekannte Föhre oder ein Wacholder am Weg zeigt ihn uns an. Überall bis an die Knie und manchmal gar bis an den Leib im Schnee. Das ist mühsam. Die Kleinen haben zu kurze Beinchen und kommen nicht mehr. Ich gebrauche eine Stunde zum Wege". (Anm.: Lehrer Hugo Engel wohnte in Trauen)

Spätestens hier muß den damaligen Schülern ein Denkmal gesetzt werden. Den weitesten Weg hatten die Dethlinger; ihr Weg führte über Trauen, da nur hier die Oertze überquert werden konnte. Eine direkte Verbindung von Dethlingen nach Sültingen gab es nicht. Wenn Lehrer Engel von Trauen nach Sültingen "eine Stunde zum Wege gebrauchte", werden die "Kleinen mit den zu kurzen Beinchen" wohl 2 Stunden benötigt haben. Vollkommen durchnässt stand dann der zwei- bzw. dreistündige Unterricht an, bevor man den beschwerlichen Rückweg antrat – eine heute unvorstellbare Leistung.

Die Zustände waren offenbar katastrophal. Erste Bestrebungen wurden laut, eine neue Schule mit Lehrerwohnung in Trauen zu errichten. Für den nötigen Schub sorgte der Consul A. Constantin , Chef der gleichnamigen Zigarettenfirma Constantin, der von 1919 bis 1920 Gutsbesitzer des heutigen "Hof Lammers" war. (Anm.: Constantin hat 1919 auch den Bau der "Alten Siedlung" ( 5 Doppelhaushälften und die Landesforstgärtnerei ) in Auftrag gegeben)

Am 22. Mai 1919 läßt der Consul durch seinen Administrator die Schenkung eines 2 Morgen großen Schulgrundstückes an der Straße Trauen - Dethlingen erklären. Darauf beschließt die Gemeindeversammlung mit 13 gegen 10 Stimmen bei 3 Enthaltungen den Neubau der Schule. Gegen diesen Beschluß gab es auch erheblichen Widerstand - 2 weitere Jahre gingen ins Land. Inzwischen hatte die "Provinzial-Verwaltung" den Gutshof (heute Lammers) gekauft. Diese lässt im Mai 1921 auf Anfrage verlauten, dass sie im Falle der Verlegung der Schule von Sültingen nach Trauen die 1919 von Consul A. Constantin erklärte Schenkung des Grundstückes aufrecht erhalten will.

13. März 1923: "Ein Tag, der für unser Schulprojekt eine entscheidende Wendung brachte. Nach einer eingehenden Besichtigung der Schule und der Wege dahin, fand nachmittags auf Gut Trauen eine Sitzung unter dem Vorsitz des Reg.R. von Grävenitz statt, an der Vertreter der Regierung (Reg.Baurat von Steinwehr), das Landesdirektorium (Landesrat Heintze) sowie der hiesige Gemeinde-Aussschuß und der Schulvorstand teilnahmen".

"Landesrat Heintze machte den ganz neuen Vorschlag, das neue, jetzt von der Provinzial-Forstgarten-Verwaltung bewohnte Haus in Trauen (die Landesforst-Gärtnerei) mit Grundstück gegen das Schulgebäude mit Grundstück in Sültingen einzutauschen und zu verrechnen. Das Trauener Haus könne leicht zur Schule umgebaut bzw, erweitert werden. Reg.Baurat von Steinwehr sprach sich entschieden gegen diese Lösung aus".

"Von der Mehrzahl der anfangs überraschten Versammlungs-Mitglieder wurde der Plan gutgeheißen".

Im Sommer des Jahres 1925 erfolgt die Einstellung des Schulbetriebes in Sültingen. Der letzte Lehrer war Herr Hesse.

Februar 1925: "Nachdem die zuletzt in der Sültinger Schule wohnende Schäferfamilie Cohrs dieselbe verlassen hat, steht die alte Schule völlig verwaist und vereinsamt in stummer Winterheide. Selbst Schüler und Lehrer pilgern täglich nicht mehr zu ihr hinaus".

ansicht_sueltingenAnsichtskarte Sültingen – Schulgebäude unten links

Der Abriß erfolgte 1956. Damit verschwand auch ein altes Fachwerkgebäude, das bis 1925 den Kindern aus Trauen, Kreutzen, Dethlingen und Sültingen mehr als 60 Jahre lang als Schule gedient hatte.

 

3. Die Schule in Trauen (von 1925 bis 1975)

Februar 1925: "Obwohl schon vor nahezu 6 Jahren ein Schulneubau durch die Gemeindeversammlung beschlossen wurde, bedurfte es doch dieser langen Zeit, um all die Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, die sich der Verwirklichung des Planes entgegen stellten, so dass erst nun die mit der Bauausführung beauftragte Firma Dröge, Bergen, mit den ersten Ausschachtungsarbeiten beginnen konnte".

März 1925: "Der Schulbau ist flott vonstatten gegangen. Gemeinde und Schule dürfen heute das Richtfest feiern".

Beim Lesen dieser Zeilen hat man den Eindruck, es würde sich um einen kompletten Neubau der Schule handeln – das stimmt nicht! Es ist vielmehr der Anbau einer einklassigen Schule, ab 1926 mit Lehrerwohnung, an das Gebäude der 1919 errichteten Landesforst-Gärtnerei (Constantin).

schule_trauen_2
Trauener Schule (vor 1950)

August 1925: "Die neue Schule ist fertig gestellt. Kinder und Lehrer sind froh, dass sie nun nach den Ferien in dieses von der Morgensonne gebadete neue Schulzimmer, ein wahrer Schmuckkasten, einziehen dürfen. Schnell werden in der neuen, schönen Umgebung die trüben Stunden (in Sültingen) vergessen, in denen Schüler und Lehrer in der engen, dumpfen Küche, nach erquickender Kühle labend, an schwülen Tagen den heißen Strahlen der Mittagssonne ausgesetzt waren".

Der erste Schulmeister an der neuen Schule in Trauen war Herr Hesse, jener Lehrer, der auch die letzten Unterrichtsstunden in der Sültinger Schule erteilt hatte. Ihm folgte 1926 Otto Winterhof aus Langendorf, Kreis Dannenberg, der für die Trauener Nachwelt alles zu Papier brachte, was ihm wichtig erschien.

Winterhof: "Ich werde in dieser neu angefangenen Chronik mich nicht an ein bestimmtes Schema bezüglich der Aufzeichnungen binden, sondern die Ereignisse und Erscheinungen chronologisch niederschreiben. Da in der Schulgemeinde Trauen keine Gemeindechronik vorhanden ist, so werden auch Dinge berücksichtigt, die vielleicht erst mittelbare Beziehungen zur Schule haben. Was an Übersichtlichtkeit verloren gehen mag, wird hoffentlich durch die Ursprünglichkeit der Darstellungen wieder gewonnen".

lehrer_winterhofFamilie Winterhof im Garten der Schule 1926

Otto Winterhof hat uns mit seiner Art, Begebenheiten festzuhalten, einen großen Gefallen getan. Auch die nachfolgende Lehrerschaft hat sich beim Verfassen der Chronik nicht nur auf die rein schulischen Dinge beschränkt.

Abschließend eine Zusammenfassung der wichtigsten Daten:

1925: Errichtung der einklassigen Schule

1950: Einrichtung einer 2. Lehrerstelle

1951: Schule wird durch einen Klassenraum erweitert

1966: Einschulung der Oberstufe in Munsteraner Schule

1971: Die Schule wird nur noch als Grundschule (Klasse 1 bis 4) geführt

1975: Einstellung des Schulbetriebes

 

11 Lehrkräfte haben in den 50 Jahren an dieser Schule Unterricht erteilt:

Herr Hesse, Otto Winterhof, Karl Klemm, Herr Gebhardt, Alfred Peinert, Karl Thöne, Frl Schulz, Max Friedrich, Emil Pofahl, Max Zummach und Hildegard Zummach.
 

1975 geht damit eine Ära zu Ende

   
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